18:15 - 18:45 | 19.10.2019 WDR

Westart  (E:67) (30 min)

WDR HD Kunst + Kultur | D 2019
2019-10-19 06:15:00 2019-10-19 06:45:00 Europe/Zurich Westart Westart WDR
Westart
19.10.2019
Ein Bunker zum Wohnen und für die Kunst: Sieben Jahre lang hat das Künstlerpaar Bernhard Petz und Zdzislawa Sacher daran gebaut. Jetzt präsentieren sie ihr Gesamtkunstwerk der Öffentlichkeit. Westart ist im Bunker Güdderath zu Gast. Wir blättern in den Memoiren des schillernden Kunstberaters und verurteilten Betrügers Helge Achenbach, begeben uns auf eine virtuelle Reise von Mossul nach Palmyra, lassen uns von Igor Levits Beethoven-Interpretation verzaubern und begegnen den neun Leben der Ex-Spionin und Castro-Geliebten Marita Lorenz. Phantastischer Ort für die Kunst: der Bunker in Mönchengladbach-Güdderath Kann man einen hässlichen Bunker, eine düstere Bauruine aus dem Zweiten Weltkrieg in einen phantasievollen Ort zum Wohnen und für die Kunst verwandeln? Man kann! Wie – das hat das Künstlerpaar Bernhard Petz und Zdzislawa Sacher vorgemacht. 2012 haben sie den Betonklotz in Mönchengladbach-Güdderath gekauft. Sieben Jahre lang hat der Aus- und Umbau gedauert. Aus dem trostlosen Kriegsrelikt sind großzügige Ateliers und Ausstellungsräume, ein Konzertsaal, ein Zier- und Gemüsegarten und ein lichtdurchflutetes Wohnhaus entstanden. Jetzt machen die beiden ihr Gesamtkunstwerk der Öffentlichkeit zugänglich. In den nächsten Wochen laden sie unter dem Titel "Herbstzeitlose" zu einer Veranstaltungsreihe mit Konzerten, Vorträgen, Kunstführungen und der Mono-Oper "Das Tagebuch der Anne Frank" ein. Westart hat hinter den dicken Betonmauern entdeckt, wie Visionen zur Wirklichkeit werden. Von Mossul nach Palmyra. Eine virtuelle Reise in der Bundeskunsthalle Bonn Mossul, Aleppo, Palmyra – das waren einst Zentren der Zivilisation mit prächtigen Bauten und quirligem Leben. Krieg, Terror und Fanatismus haben sie zerstört und unzugänglich gemacht. Eine Ausstellung in der Bonner Kunsthalle lässt das Weltkulturerbe vor den Augen der Besucher erneut erstehen. Wie von Zauberhand werden auf riesigen Projektionsflächen die sagenumwobenen Kulturstätten sichtbar: Moscheen, Triumphbögen, Theaterarenen. Die virtuelle Reise kommt ganz ohne Originalgegenstände aus. Stattdessen haben die Macher aus Tausenden von Fotos riesige Bilder zusammengesetzt und zu lebendigen Szenen animiert. VR-Brillen machen die Illusion für die Besucher perfekt. Westart hat mit den Ausstellungsmachern über digitale und reale Rekonstruktionen gesprochen. Entfesselter Kunstmarkt. Helge Achenbachs Memoiren 40 Jahre lang hat er im internationalen Kunstbetrieb mitgemischt. Helge Achenbach war mit den renommiertesten Künstlern befreundet, hat die Karrieren von Jeff Koons und Gerhard Richter gefördert und als Berater ein Vermögen verdient. Doch nach dem glanzvollen Aufstieg kam der tiefe Fall: 2015 wurde er wegen Betrugs in Millionenhöhe zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Seit Juni 2018 ist er wieder auf freiem Fuß. Jetzt hat er seine Memoiren veröffentlicht, in denen er mit sich selbst und dem entfesselten Kunstmarkt abrechnet. Bei Westart erzählt er, warum die Kunst für ihn eine Droge ist und wie der Absturz ihn reicher gemacht hat. Gefeierter Virtuose und politischer Mensch: der Pianist Igor Levit Unzählige "Tage und Nächte und Wochen und Jahre" hat er mit Beethovens Klaviersonaten verbrachten. "Das ist einfach in Musik gesetztes Leben, in Musik geschriebene Liebe, in Musik gesetztes Glück", sagt Igor Levit. Jetzt hat der 32-jährige Starpianist alle 32 Sonaten eingespielt. Sie gehören mit zum Anspruchsvollsten in der Klavierliteratur. Aber Herausforderungen hat Igor Levit noch nie gescheut. Auch wenn es um Politik geht, ergreift er das Wort: gegen Rassismus und Ausgrenzung, für Toleranz und Weltoffenheit. Westart über einen Musiker, der sich einmischt. Castro-Geliebte und Ex-Spionin. Marita Lorenz' unglaubliche Lebensgeschichte als Theaterstück Sie war gerade 19, als sie auf einem Schiff dem Mann begegnete, der ihr Leben verändern sollte: dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro. Marita Lorenz, 1939 in Bremen geboren, war in ihrem Leben vieles: Häftling im KZ Bergen-Belsen, Geliebte von Castro, CIA-Agentin mit dem Auftrag, ihn zu töten. Sie hatte Affären mit Ex-Diktatoren und Mafia-Chefs, spionierte und wurde selbst ausspioniert. Bis sie Ende der 70er mit ihrer Vergangenheit brach. Der Dramatiker Dominik Busch hat Marita Lorenz in New York getroffen und aus ihrem Leben ein Theaterstück gemacht. Zur Vorbereitung der Uraufführung kam sie nach Oberhausen, wo sie am 31. August 2019 überraschend starb. Am 11. Oktober hatte "Alles ist wahr. Die neun Leben der Marita Lorenz" am Theater Oberhausen Premiere.

Info:
Titel: Westart
Topic: Phantastischer Ort für die Kunst: der Bunker in Mönchengladbach-Güdderath, Von Mossul nach Palmyra. Eine virtuelle Reise in der Bundeskunsthalle Bonn, Entfesselter Kunstmarkt. Helge Achenbachs Memoiren, Gefeierter Virtuose und politischer Mensch: der Pianist Igor Levit, Castro-Geliebte und Ex-Spionin. Marita Lorenz' unglaubliche Lebensgeschichte als Theaterstück,
Genre: Sonstige (Kunst + Kultur)
D 2019
Vorspann
Moderator Siham El-Maimouni